5-Mann-Betrieb oder 1.000-Mitarbeiter-Konzern: Kommt es auf die Größe an?

Auf der einen Seite der weltweit tätige Konzern mit Standorten in 20 Ländern, auf der anderen Seite der inhabergeführte Betrieb mit einer Handvoll Mitarbeiter: Welches Unternehmen passt zu dir? Treffer gibt Entscheidungshilfen!

Z u den beliebtesten Arbeitgebern gehören einer Umfrage unter Schülerinnen und Schülern zufolge unter anderem der Sportartikelhersteller Adidas (Platz 2), der Autohersteller Porsche (Platz 8) oder die TV-Gruppe ProSiebenSat1 (Platz 10) – alles große und bekannte Unternehmen bzw. Organisationen mit mehreren 1.000 Mitarbeitern, die man einfach kennt. Auffällig ist aber auch, dass drei der Lieblingsarbeitgeber dem Staat zuzurechnen sind: Polizei (Platz 1), Bundeswehr (Platz 3) und Zoll (Platz 9). Was macht also den Reiz der Wunschunternehmen bzw. -organisationen aus: die Bekanntheit oder der Glamour, die pure Größe oder die Sicherheit, die solche Arbeitgeber ausstrahlen?

Die Frage, ob man sich bei einem großen oder eher kleineren Unternehmen bewerben soll, beschäftigt in der Tat viele, die auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz oder einem dualen Studium sind, wissen Experten. Tatsächlich gibt es sowohl unter den größeren als auch unter den kleineren Unternehmen noch Unterschiede:

Unternehmen mit einigen 100 Mitarbeitern können entweder zum Mittelstand (s. Info unten) gehören oder Konzerne sein. Während in Konzernen oft eher Spezialisten gefragt sind, die klar abgegrenzte Themen intensiv bearbeiten, setzt man im Mittelstand auf Allrounder, die einen Überblick über größere Themengebiete haben. Kommunikative Fähigkeiten sind sowohl für den Konzern als auch im Mittelstand wichtig: In den oft größeren Teams im Konzern muss man sich viel mit den Kollegen und den Vorgesetzten austauschen, im Mittelstand oft abteilungsübergreifend.

Auch bei den kleineren Unternehmen muss man zwischen eingeführten Traditions- bzw. Familienunternehmen und Start-ups unterscheiden, also Unternehmen, die gerade erst auf dem Markt sind. Im ersten Fall sind die Arbeitsabläufe über Jahre eingespielt, im zweiten Fall können sich Prozesse und Strukturen immer wieder ändern.

Aber nicht allein die Unternehmensgröße entscheidet darüber, wo du dich wohlfühlst. Oft kommt es auch auf die Unternehmenskultur an: Sind in einem Unternehmen alle per Du? Bekommt man für seine Arbeit auch mal Lob? Lässt man auch mal Fünfe gerade sein? Eine Vorstellung, welchen „Spirit“ eine Firma hat, bekommst du schon, wenn du die Webseite intensiv studierst – und auf alle Fälle im Vorstellungsgespräch. Deshalb gilt: Bleib offen und neugierig – dann klappt’s auch mit dem Wunscharbeitgeber.

 

Top 10 eurer Wunscharbeitgeber*

1. Polizei 16,3 %

2. Adidas 14,4 %

3. Bundeswehr 12,7 %

4. BMW Group 9,8 %

5. Audi AG 8,5 %

6. Daimler/Mercedes-Benz 8,1 %

6. Microsoft 8,1 %

8. Porsche AG 7,8 %

9. Zoll 7,2 %

10. Lufthansa Group 6,4 %

10. ProSiebenSat.1 6,4 %

 

* Für die Umfrage hat das Unternehmen Trendence 20.000 Schülerinnen und Schüler in ganz Deutschland im ersten Halbjahr 2018 nach ihren Wunscharbeitgebern gefragt.

 

Was heißt „Mittelstand“?

Ein Kriterium dafür, ob ein Unternehmen zum Mittelstand zählt, ist die Unternehmensgröße: In der Regel gelten Unternehmen mit zehn bis 499 Beschäftigten als mittelständisch. Daneben spielt der Umsatz eine Rolle. Was aber viel wichtiger ist: Unternehmen, die sich zum Mittelstand zählen, sind meist inhaber- oder zumindest eigentümergeführt (anders als Aktiengesellschaften).

 


Tipp

Große Unternehmen bieten natürlich mehr Ausbildungsplätze als kleine. Bewerbungen lohnen sich das ganze Jahr über, auch wenn es feste Bewerbungstermine gibt. Manchmal springt ja ein Bewerber ab – das ist deine Chance.


 

In einem großen Unternehmen …

… gibt es viel mehr Fördermöglichkeiten für Azubis.

Ganz klar: Größere Unternehmen können mehr in Programme für ihren Nachwuchs investieren. Manche Unternehmen nehmen sogar an unabhängigen Zertifizierungsprozessen teil, um sich bei dir als guter Ausbildungsbetrieb zu empfehlen. Ein kleineres Unternehmen hat dazu meist nicht die finanziellen Möglichkeiten, kann aber durchaus eine genauso gute Ausbildung anbieten. Auslandsaufenthalte in der Ausbildung? Auch das war lange vor allem großen Unternehmen vorbehalten, die weltweit Standorte haben. Inzwischen gibt es solche Möglichkeiten aber auch in kleineren Handwerksbetrieben. Und: Nicht nur die „Großen“ bieten Vorteile wie kostenlose Getränke, wöchentliche Obstkörbe für die Abteilung, Zuschüsse zu Bus- und Bahntickets, vermögenswirksame Leistungen, flexible Arbeitszeiten oder sogar Homeoffice-Tage. Nur eine Kantine, in der du preiswert essen kannst, die wirst du in der Regel nur bei einem großen Unternehmen finden …

 

… habe ich mehr Sicherheit.

Wenn in einem Unternehmen mehrere hundert Menschen arbeiten, vermittelt einem das natürlich Sicherheit. Selbst wenn mal ein Geschäftsbereich wegbricht oder verkauft wird, hat man noch Möglichkeiten, woanders eingesetzt zu werden. Sicherheit heißt aber nicht, dass man sich zurücklehnen kann. Denn gerade weil in einem großen Unternehmen oft mehr passiert als in einem kleinen, muss man flexibel bleiben, sich öfter mal in neue Bereiche einarbeiten oder das Büro wechseln, wenn Abteilungen neu zusammengestellt werden.

 

… habe ich bessere Perspektiven.

Bessere Perspektiven – d. h. eine Chance auf Übernahme, auf einen Einsatz an einem internationalen Standort, auf mehr Gehalt – kann man in einem großen Unternehmen nicht leugnen. Aber du musst dich natürlich immer wieder aufs Neue beweisen und für bessere bzw. andere Positionen, die oft auch mit Weiterbildungen verbunden sind, hart arbeiten. Dabei kann natürlich auch eine Menge Freizeit verloren gehen. Wenn du deinen Beruf jedoch liebst, wirst du darin aufgehen.

 


Tipp

In großen Unternehmen durchläufst du einen strukturierten Bewerbungsprozess, dein Profil muss einfach passen. Schlechte Noten sind oft ein K.-o.-Kriterium. In einem kleinen Unternehmen kommst du dann vielleicht eher zum Zug.


 

In einem kleinen Unternehmen …

… ist die Atmosphäre familiärer.

Natürlich gibt es da noch einmal Unterschiede, ob man bei einem Start-up oder in einem Handwerksbetrieb mit fünf bis zehn Mitarbeitern oder bei einem Unternehmen mit 50 Mitarbeitern arbeitet. Gleichzeitig kommt es darauf an, über wie viele Abteilungen der Betrieb verfügt. Größere Abteilungen bleiben oft eher unter sich. Aber grundsätzlich stimmt es natürlich: Je kleiner das Unternehmen, umso familiärer. Auch damit gehen Verpflichtungen einher: Denn in einer Familie lässt man sich nicht hängen, geht füreinander durchs Feuer. Dafür bekommt man aber auch jede Menge Wertschätzung zurück. Übrigens: In größeren Unternehmen rücken die Abteilungen oder Teams als kleinere Einheiten enger zusammen. Auch hier fühlt man sich oft genauso gut aufgehoben wie in der Familie.

 

… habe ich ein größeres Aufgabenspektrum.

Das wird tatsächlich so sein: Während es in einem großen Unternehmen viele Spezialisten gibt, darf man in einem kleineren Betrieb seine Nase in viele Dinge stecken. Beispiel: Wer bei einem Handwerksbetrieb im Büro arbeitet, schreibt Rechnungen, spricht mit Kunden, nimmt Bestellungen entgegen etc. Und wer dort im eigentlichen Handwerksberuf arbeitet, der übernimmt in seinem Bereich ebenfalls alle Aufgaben: ein Tischler z. B. sowohl das Anpassen von Haustüren als auch die Anfertigung kompletter Möbelstücke.

 

… gibt es weniger Hierarchien.

Meist gibt es nur den Chef und die Mitarbeiter, dazwischen keine weiteren Vorgesetzten oder Führungskräfte. In großen Unternehmen gibt es oft auch noch eine Trennung zwischen fachlichen und disziplinarischen Vorgesetzten. Die einen beurteilen deine Arbeit, mit den anderen verhandelst du über Geld – natürlich erst nach der Ausbildung. In einem kleinen Unternehmen kommt es deshalb auch ganz besonders darauf an, dass die Chemie zwischen Chef und Azubi stimmt. Dann hat man jede Menge Möglichkeiten, etwas auszuprobieren und zu bewegen.

 

 

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