Abi – und was dann?

Treffer hat drei Schüler und Schülerinnen getroffen, die schon eine Antwort auf diese Frage haben. Sie haben ganz unterschiedliche Talente und Biografien – und erzählen hier, wie sie auf ihren Traumjob gekommen sind.

„Später mal ein Team zu leiten, das wäre krass“

Rebecca, 18, schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe: Ausbildung + Studium = duales Studium.

 

DIE AUSGANGSSITUATION.

Seit ich denken kann, haben mir alle Leute erzählt, in welchem Beruf sie mich sehen. Wir waren im Urlaub in Florida, da sagte meine Mutter: Werde doch Meeresbiologin! Meine Tante wollte immer, dass ich mal Moderatorin im Fernsehen werde. Und meine Oma dachte eher an etwas Praktisches: Sie bräuchte immer eine Schneiderin oder eine Ärztin. Ganz schön breites Spektrum, oder?

 

AUF DER ACHTERBAHN.

Ich selbst habe mich so treiben lassen. Meine Familie hatte ja genug Vorschläge. Im Nachhinein war das ein Fehler, weil ich nicht darauf geguckt habe, was mir gefallen würde, was mein Ding ist. Ich habe lange Zeit selbst gedacht, dass Meeresbiologin cool wäre. Aber ganz ehrlich: Ich habe mich nicht wirklich dafür interessiert – noch nicht mal die obligatorischen Hai-Bücher gelesen, die man mit elf oder zwölf Jahren so verschlingt.

Und dann hatte ich in der Schule eine ganz schlechte Phase: Meine Eltern stritten sich zu Hause nur noch, ich war total deprimiert. Sie gingen zur Arbeit, ich blieb im Bett liegen, ging einfach nicht zur Schule. Erstaunlich, wie lange das gut ging. Erst als ich nicht in die zwölfte Klasse versetzt wurde, wachten alle auf. Ich auch. Mir wurde bewusst, dass ich ein eigenes Leben habe und was draus machen will.

 

DO IT YOURSELF.

Ich habe dann in den Ferien gejobbt, um mir möglichst viele Unternehmen und Berufe anzuschauen. Ich war bei einem Fastfood-Restaurant, in einem Supermarkt, habe als Messe-Hostess gearbeitet und Promotions gemacht. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich gut mit Menschen kann. Ich habe keine Scheu, auf Menschen zuzugehen – und ich kümmere mich gerne um sie. Ich glaube, ich habe so etwas wie ein Dienstleistungsgen. Gleichzeitig kann ich gut organisieren.

 

MEIN WEG.

Und so habe ich mich nach Jobs in der Dienstleistungsbranche umgesehen. Letztes Jahr habe ich im Treffer etwas über das duale Studium gelesen – und das schien mir ideal für mich. Ich bin nicht so der Akademiker, der in seiner Bude alleine lernt. Ich bin eher praktisch veranlagt. Aber ich kann mir auch gut vorstellen, Karriere zu machen und mal ein Team zu leiten. So habe ich mich ganz gezielt bei Dienstleistungsunternehmen und im Handel beworben. Wenn ein Unternehmen viele Filialen hat, dann brauchen sie ja auch viele Teamleiter, dachte ich. Mal schauen, ob die Rechnung aufgeht.

 

DAS MACHE ICH JETZT.

Ich fang jetzt jedenfalls ein duales Studium mit einem Schwerpunkt im Bereich Wirtschaft an. Ich weiß, dass da schon einiges von mir erwartet wird. Eine Ausbildung und ein Studium gleichzeitig, das ist natürlich eine Doppelbelastung. Aber ich bin mir sicher, dass ich das meistern werde, weil ich das tue, was ich liebe!

Mit dem dualen Studium gibt es heute eine hervorragende Alternative zum Studium an einer Universität. Wer sich früher für Wirtschaft interessierte, der studierte gleich BWL und musste sich nach dem Abschluss darum kümmern, eine gute Stelle im Unternehmen zu finden. Heute ist über das duale Studium die Karriere im Unternehmen gewissermaßen eingebaut. Das stellt einen großen Anreiz für das duale Studium dar. Wenn im Rahmen eines dualen Studiums allerdings gleich zwei oder sogar noch mehrere Abschlüsse gemacht werden müssen, setzt das eine hohe Lernbereitschaft und eine schnelle Auffassungsgabe voraus. Dessen sollte sich jeder bewusst sein, der diesen Werdegang anstrebt.

 

 

„Mir ist es schwergefallen, eine Entscheidung zu treffen“

Phillip, 19, beginnt ein Maschinenbau-Studium – er ging auf Nummer sicher.

 

DIE AUSGANGSSITUATION.

Um mich hat sich ausbildungsmäßig eigentlich nie einer Sorgen gemacht: Jeder dachte: Der weiß, was er tut. Der hat klare Vorstellungen von seinem Leben, weiß, welchen Beruf er ergreifen wird. Mir hat auch nie jemand Druck gemacht – obwohl meine Eltern beide studiert haben. Meine Mutter ist Juristin, mein Vater Ingenieur. Aber auch sie waren immer davon überzeugt, dass ich den richtigen Beruf schon von selbst finden würde.

 

MEINE TALENTE.

Was wahrscheinlich daran liegt, dass ich mich früh engagiert habe: Ich habe schon als 14-Jähriger Ferienfreizeiten unserer Gemeinde für Grundschüler begleitet. Da übernimmt man schon eine Menge Verantwortung, ist auch auf sich alleine gestellt – weg von zu Hause, umringt von den ganzen Kiddies. Mit 15 habe ich mich auch politisch engagiert, habe mit anderen über Gott und die Welt geredet, immer auf der Suche nach neuen Lösungen. Aber trotzdem wusste ich nicht, was aus mir werden sollte.

 

MEIN WEG.

Mit 16 habe ich mich bei einem Verein gemeldet, der Ausbildungspaten vermittelt. Das sind Menschen, die einen auf dem Weg in einen Beruf beraten und begleiten sollen – bewusst außerhalb der Familie. Bei einem Speed-Dating haben wir uns getroffen. Acht Schülerinnen und Schüler, darunter ich, und acht potenzielle Paten. Einige waren noch ganz jung, studierten selbst, andere waren schon Rentner. Ich habe mich mit allen nacheinander fünf Minuten lang unterhalten und merkte, wie begeistert sie von meinem Engagement waren. Bei allen lautete die letzte Frage: Warum willst DU eigentlich einen Ausbildungspaten? Die einzige Antwort, die ich darauf hatte, war: Ich hatte mir erhofft, dass mir jemand eine Entscheidung abnimmt.

 

JEDE MENGE MÖGLICHKEITEN.

Es fiel mir einfach total schwer, mich für etwas zu entscheiden. Ich bin sozial eingestellt – soll ich also soziale Arbeit studieren? Mich interessiert Politik – also ein geisteswissenschaftliches Studium? Fußball finde ich großartig – also werde ich Sportlehrer? Ich fand, dass alles seinen Reiz hatte.

 

DAS MACHE ICH JETZT.

Letztlich bin ich auf Nummer sicher gegangen und habe mich für Maschinenbau eingeschrieben. Das macht mein Vater und er war damit immer glücklich. Außerdem verdient er nicht schlecht. Wenn man mal Familie haben will, ist das sicherlich auch kein schlechtes Argument. Er hat sich sehr über meine Entscheidung gefreut. Meine Mutter allerdings ist skeptisch: Sie hätte sich gewünscht, dass ich etwas Neues ausprobiere, und fragt sich, ob ich mit meiner Entscheidung glücklich werde. Aber ich bin ja noch jung. Wenn es nicht funktioniert, kann ich immer noch wechseln. Ich bin jetzt jedenfalls ziemlich erleichtert, dass ich mich für etwas entschieden habe, und werde alles daransetzen, das Studium auch durchzuziehen.

 

 

„Ich wollte eigentlich immer Medizin studieren …“

Chantal, 18, lebt ihren Traum – obwohl sie den Numerus clausus nicht schaffte.

 

WIE ICH AUF MEINEN TRAUMBERUF KAM.

Meine Eltern haben beide studiert, sind Beamte. Da war es immer klar, dass das Kind – also ich – Abitur macht und an die Uni geht. Für meine Eltern, aber auch für mich. Ärztin, das war mein Traumberuf. Meine Cousine ist nämlich Ärztin an der Berliner Charité, einem weltbekannten Krankenhaus. Wenn sie bei Familienfeiern erzählte, dass sie im OP bei der Amputation eines Beins assistiert hatte, dann gruselte es alle. Aber ich war fasziniert. Jedes Mal, wenn wir uns trafen, musste sie neuen Klatsch und Tratsch aus dem OP erzählen. Und ich sog alles auf wie ein Schwamm.

 

STEINE IM WEG.

In der elften Klasse zeichnete sich allerdings ab, dass meine Noten für ein Medizinstudium nicht reichen würden. Ich konnte lernen, so viel ich wollte, meine Leistungen waren mau. Um ehrlich zu sein, in der Zeit war ich auch viel auf Partys und entdeckte eine neue Leidenschaft: das Schminken. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen oberflächlich, aber es machte mir einfach Spaß, mich und meine Freundinnen zu stylen. Legendär sind meine Masken zu Karneval oder Halloween – jeder in meiner Clique sagte, mit meinen Kenntnissen würde ich sofort beim Film eingestellt. An mir prallte das ab, aber ich merkte, dass meine Eltern immer nervöser wurden – weil sie glaubten, ich würde durch meinen Make-up-Fimmel vom Wesentlichen abgelenkt, und weil ich tatsächlich nur noch Zweien und Dreien nach Hause brachte. Jede dieser Noten entfernte mich Lichtjahre von einem Medizinstudium mit seinem hohen Numerus clausus. Das habe ich natürlich auch selbst gemerkt.

 

MEINE ALTERNATIVEN.

Ich habe mir dann überlegt, dass ich mich vielleicht bei der Bundeswehr verpflichten und dort studieren könnte. Die Familie verfiel in Schockstarre. Bundeswehr – und ich?! Das passte für sie überhaupt nicht zusammen. Für mich eigentlich auch nicht. Aber ich war nicht bereit, meinen Traum wegen meiner Noten aufzugeben. Und ich war aber auch nicht bereit, mehr zu tun. Im Nachhinein kann ich die Verzweiflung meiner Eltern verstehen. Ich habe mir damit schon einiges verbaut.

Und dann kam die Bewerbungsphase. Nach der Schule sollte es direkt weitergehen. Lust aufs Ausland hatte ich nicht, ich wollte in Dortmund bleiben. Ich bin seit einem Jahr mit meinem Freund zusammen und das ist schon etwas Ernstes. Er machte mit mir Abi und für ihn ist klar: Er will Bankkaufmann werden – mit dem klaren Karriereziel „Vorstand“ übrigens.

Trotz Abi also eine Lehre?!

 


CHIRURGISCH-TECHNISCHE ASSISTENTEN
führen spezialisierte, ärztlich delegierbare Assistenzaufgaben im medizinischen und operativen Bereich durch. Man braucht dafür Abitur oder die Fachhochschulreife. Ein mindestens zweiwöchiges Praktikum im Operationssaal ist zur Festigung des Berufswunsches empfehlenswert.


 

SO HABE ICH MICH ENTSCHIEDEN.

Ich habe dann angefangen, auch darüber nachzudenken, und mich über medizinische Berufe informiert, für die man kein Studium braucht. Krankenschwester, das war nicht meins. Ich wollte schon in den OP. Und dann stieß ich auf die noch wenig bekannte Ausbildung zur Chirurgisch-Technischen Assistentin. CTA übernehmen viele Aufgaben, die früher von Assistenzärzten in der Ausbildung erledigt wurden. Ich habe dann Bewerbungen geschrieben und sofort Glück gehabt.

In diesen Tagen trete ich meine Ausbildung an und bin wirklich glücklich damit. Mir stehen hinterher viele Wege offen. Vielleicht gehe ich auch, wie mein Freund, in die kaufmännische Richtung, studiere anschließend noch BWL und manage irgendwann eine Klinik. Da kann es ja nicht schaden, wenn man weiß, welche Arbeiten dort wirklich anfallen.

 

DAS SAGEN PERSONALCHEFS


Damit man nach dem Schulabschluss nicht in ein schwarzes Loch fällt, sollte man am besten schon während seiner Schulzeit Erfahrungen bei einem Unternehmen sammeln – beispielsweise in einem Praktikum. Wir bieten Schülerinnen und Schülern die Chance, in einem unserer vielen Ausbildungsberufe ein Praktikum zu absolvieren. Die Bewerbung dafür sollte neben dem Lebenslauf Informationen zum gewünschten Zeitraum und Standort sowie zum angestrebten Praktikumsberuf enthalten. Viele unserer jetzigen Auszubildenden haben durch ein Praktikum in unserem Unternehmen erkannt, dass ihnen der angestrebte Beruf liegt – und dass wir das richtige Unternehmen für die Ausbildung sind. Für uns als Unternehmen ist es auch gut, wenn wir Bewerber auf eine Ausbildungsstelle schon einmal kennengelernt haben – aber es ist natürlich kein Muss.

Kristina Rehahn, Personalmanagement bei REMONDIS


Mit dem dualen Studium gibt es heute eine hervorragende Alternative zum Studium an einer Universität. Wer sich früher für Wirtschaft interessierte, der studierte gleich BWL und musste sich nach dem Abschluss darum kümmern, eine gute Stelle im Unternehmen zu finden. Heute ist über das duale Studium die Karriere im Unternehmen gewissermaßen eingebaut. Das stellt einen großen Anreiz für das duale Studium dar. Wenn im Rahmen eines dualen Studiums allerdings gleich zwei oder sogar noch mehrere Abschlüsse gemacht werden müssen, setzt das eine hohe Lernbereitschaft und eine schnelle Auffassungsgabe voraus. Dessen sollte sich jeder bewusst sein, der diesen Werdegang anstrebt.

Andreas Berkenbusch, Leiter Aus- und Fortbildung der Sparkasse Dortmund

 

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