Erst denken, dann liken! Der (zukünftige) Chef liest mit

Natürlich bist du in sozialen Medien wie Facebook, „Insta“ oder Snapchat aktiv. Kann dir das bei der Bewerbung schaden – oder vielleicht sogar nutzen? Die Social-Media-Experten von der Business Academy Ruhr mit Sitz in Dortmund wissen Rat.

Immer öfter liest man heute, dass Personalchefs Bewerbungen im Netz „gegenchecken“, die Bewerber googeln und auch ihre Profile in sozialen Medien durchleuchten. Denn nirgendwo sonst scheinen sie einen so ungefilterten Blick auf einen Bewerber zu bekommen wie im Internet. „Die Verantwortlichen im Bereich Personal werden ja auch immer jünger, sind mit den digitalen Medien aufgewachsen“, so Holger Rohde, Geschäftsführer der Business Academy Ruhr. „Da versteht es sich fast von selbst, dass auch nachgeschaut wird, was das Internet an Informationen über einen Bewerber bereithält – und das nicht nur bei Führungskräften, sondern auch bei Berufseinsteigern oder eben Schülern und Schülerinnen, die einen Ausbildungsplatz suchen.“ Doch keine Sorge: Die Personalverantwortlichen „stalken“ ihre Bewerber nicht, um das eine verhängnisvolle Partybild zu finden. Sie wollen in der Regel einfach nur sehen, ob sich der Eindruck aus der Bewerbung mit dem Bild im Internet deckt – also, wie authentisch der Bewerber ist. Holger Rohde: „Deshalb sollte man nicht nur prüfen, ob im Netz peinliche Fotos kursieren und diese entfernen, sondern im Gegenteil auch schauen, wie man googelnden Personalverantwortlichen mit gezielten Likes oder Kommentaren positiv auffallen kann.“

 

Bewerber müssen sich also im Netz nicht zwangsläufig komplett unsichtbar machen, sondern sollten im Gegenteil auffindbar sein – dann aber natürlich den bestmöglichen Eindruck hinterlassen. Wobei ein Like für eine Punk-Band nicht das Aus für die Bewerbung bedeuten muss, denn, so wissen auch die Verantwortlichen für den Azubinachwuchs bei den Dortmunder Unternehmen: „Es kann ja nicht jeder Schlager hören …“

So beugst du vor 

Zu den beliebtesten Recherchequellen gehört Facebook. Egal ob du dein Profil nutzt, um viel zu posten und mit Freunden zu kommunizieren oder um dich dort nur über Veranstaltungen zu informieren: Prüfe, was von dir öffentlich sichtbar ist. Dazu gehst du auf deine Profilseite und klickst im Titelbild die drei Punkte hinter „Aktivitätenprotokoll anzeigen“ an. Dann kannst du sehen, wie dein öffentliches Profil aussieht. Im Zweifel setzt du dich noch mal an den Rechner eines anderen, mit dem du nicht befreundet bist, und suchst bei Facebook nach deinem Namen, ohne eingeloggt zu sein. Je nachdem, was der Check zutage fördert, kannst du deine Privatsphäre-Einstellungen ändern. „Diese Einstellungen sind bei Facebook sehr detailliert“, weiß Social-­Media-Managerin Anna Carla Kugelmeier von der Business Academy Ruhr. „Du hast u. a. die Möglichkeit, deine Freunde in Listen zusammenfassen und jede Liste unterschiedliche Posts sehen zu lassen.“ Das ist zwar aufwendig – aber wer hier lieber zweimal als einmal klickt, geht auf Nummer sicher.

 


 

Schon gewusst? Wenn du auf öffentlichen Seiten Beiträge kommentierst, z. B. bei deiner Zeitung oder deiner Lieblingsband, kann es passieren, dass diese Kommentare auch in der Google-Suche auftauchen! Also auch beim Kommentieren immer schön cool bleiben!

Anna Carla Kugelmeier

 


Was kannst du privat, was öffentlich zeigen?

Wenn du bei Facebook beispielsweise eine ziemlich große Clique von Partymachern zu deinen Freunden zählst, empfiehlt es sich, die Freundesliste auf „privat“ zu stellen.

Überprüfe zunächst, ob deine Likes im Profil sichtbar sind – und bleiben sollen. Auch die Likes kannst du auf „privat“ stellen – aber das empfiehlt sich nicht immer. Denn mit Likes kannst du auch zeigen, wo deine Interessen liegen. Du willst dich in der Reisebranche bewerben? Dann like ein paar gute Reiseseiten – und poste auf Facebook ruhig auch mal einen Insidertipp aus deinem letzten Urlaub. Extra-Tipp: Seiten, die einem potenziellen Arbeitgeber möglicherweise unangenehm auffallen könnten, solltest du nicht liken, sondern abonnieren. Abonnierte Seiten tauchen in den Likes nicht auf, wenn im persönlichen Profil das „Abonniert“ auf die Sichtbarkeit „Nur ich“ gestellt wird.

 


 

Kein Personaler wird jeden Like oder jeden Kommentar auf die Goldwaage legen. Auch angehende Azubis dürfen ein Privatleben haben! Wichtig in der Bewerbungsphase ist immer, dass man authentisch rüberkommt – das gilt auch fürs Internet.

Holger Rohde

 


Sorge in den Einstellungen bei Facebook dafür, dass du benachrichtigt wirst, wenn dich jemand auf einem Foto markieren will! Dann kannst du dir das Foto anschauen und die Markierung ggf. löschen.

„Grundsätzlich ist es empfehlenswert, in den sozialen Medien ein öffentliches Profil anzulegen, das man auch bei einem potenziellen Arbeitgeber vorzeigen kann, und ein privates Profil“, sagt Holger Rohde. Beispiel: Bei Facebook legst du ein Profil unter deinem „Klarnamen“ an und präsentierst dich dort einen Tick seriöser, bei Instagram oder Snapchat unter einem Nickname, unter dem du auch mal schräge Sachen posten kannst. Ein wenig Vorsicht sollte man allerdings auch da walten lassen: Denn man ist nie davor gefeit, dass andere Screenshots verschicken oder deinen Insta-Post auf Facebook verlinken und mit deinem echten Namen versehen. Holger Rohde: „Auch da muss man sich in der Bewerbungsphase fragen: Was passiert, wenn ein Personalchef dann doch auf meinen Instagram-Account stößt? Wenn ich gerade 30 Bewerbungen draußen hätte, würde ich den Account gegebenenfalls auch mal für drei Monate aus dem Netz nehmen, also zum Beispiel in den privaten Modus setzen!“

 

 

 

Fotos: Shutterstock (1), Business Academy Ruhr (2)