»Ich hatte zwar keinen PLAN, aber ich hatte immer ein Ziel«

YouTuberin Laura Kampf sägt, schraubt und schweißt auf ihrem Videokanal verrückte Alltagsgegenstände. Ihr Werdegang ist ein Beispiel dafür, dass man seine Träume leben soll, aber seine Ziele immer im Blick haben muss.

Treffer: Hallo Laura, du bist eine Makerin. Was verbirgt sich denn eigentlich hinter dem Begriff?

Laura: Das ist eine richtige Szene – so wie die Gamer. In meinen Videos auf YouTube kann man mich zum Beispiel dabei beobachten, wie ich einen Beiwagen für meinen Hund Smudo an mein E-Bike baue oder ein Boot, das ich irgendwo gefunden habe, wieder fit und schneller mache, lauter verrückte Dinge halt.

 

Treffer: Du hast mehr als 320.000 Abonnenten auf YouTube. Deine Videos haben inzwischen 24 Millionen Menschen gesehen. Du hast Erfolg, oder?

Laura: Ja, ich kann seit drei Jahren von meiner selbstständigen Arbeit leben. Aber Erfolg misst sich nicht in Klickzahlen und Abonnenten. Der größte Erfolg für mich ist, dass ich bauen kann, worauf ich Lust habe. Meine Projekte müssen nicht tauglich für den Markt sein. Ich will ja nichts verkaufen, ich will inspirieren.

 

Treffer: Und das ist dein Traumjob …

Laura: Ja, aber bis dahin war das zum Teil ein steiniger Weg. Ich wusste nach der Schule nicht wirklich, was ich wollte. Ich hatte viele Interessen, habe mich immer schnell für etwas begeistert. Aber im Endeffekt habe ich für nichts lange gebrannt. Als Maker allerdings ist jeder Tag anders: Ich baue das, was mir gerade einfällt und gefällt. Außerdem kommen beim Maken viele meiner Interessen zusammen. Denn ich baue nicht nur gerne, sondern liebe es auch, meine Videos zu schneiden und etwas Cooles daraus zu machen. Da kommen mir zum Teil meine Ausbildung als Mediengestalterin Bild und Ton und mein Designstudium zugute. Alles andere habe ich mir selbst beigebracht, ich lerne jeden Tag.

 


Laura Kampf ist 35 Jahre alt und wohnt in Köln. Neben den Videos für ihren YouTube-Kanal macht sie auch Beiträge fürs Fernsehen – zuletzt zum Beispiel für die „Sendung mit der Maus“ („Lauras Machgeschichten“) oder für den Kinderkanal KiKA („Schrott or not?“).


 

Treffer: Das Studium hast du mit Auszeichnung bestanden. Das heißt: Ohne Fleiß kein Preis?

Laura: Tatsächlich hatte ich nicht den einen ganz großen Plan für meine Zukunft – aber ich habe mir immer wieder neue Ziele gesetzt. Kleine Ziele, realistische Ziele. Denn man darf sich nicht überfordern und auf jeden Fall auch mal scheitern. Das ist absolut kein Grund, sich als Versager zu fühlen. So verrückt und unkonventionell mein Werdegang auch wirkt, auch durch das Scheitern kann ich heute von meiner Arbeit leben und das tun, was ich tue.

 

Treffer: Welchen Tipp hast du für alle, die jetzt eine Ausbildung suchen?

Laura: Am wichtigsten ist es, herauszufinden, wo die eigenen Interessen und Talente liegen. Im besten Fall passt beides gut zusammen und das ist dann der Bereich, auf den ihr euch konzentrieren könnt. Sich für einen Beruf zu entscheiden, ist eine große Aufgabe. Am besten geht ihr Schritt für Schritt vor. Ich fand Praktika immer sehr hilfreich, um in Berufe hineinzuschnuppern. In meinem Fall waren jedes Praktikum und auch meine Ausbildung und das Studium und sogar alle meine Ferienjobs total hilfreich, meinen jetzigen Beruf zu finden und zu lernen, was ich wirklich gerne mache. Also setzt euch realistische Ziele, bringt eure Fähigkeiten und Interessen ein und ganz wichtig: Habt Spaß dabei!

 

 

Fotos: Brent Bousquet Photography