Manchmal geht’s daneben

Die peinlichsten Patzer in Vorstellungsgesprächen – und wie du es schaffst, das Ruder noch rumzureißen. PS: Keine Sorge – gerade bei Schulabgängern, die ja nun mal ihre allerersten Gespräche absolvieren, verzeihen die Unternehmen einiges!

Situation 1: Das Gespräch in dem kleinen Betrieb war echt locker und ich habe mich total wohlgefühlt. Wir saßen in einem improvisierten Konferenzraum auf Klappstühlen – und irgendwann versuchte ich, mich auf dem Sitz in eine bequemere Position zu „robben“. Da passiert es: Der Stuhl klappte unter mir zusammen.

So rettest du die Situation: Von der Situation kannst du noch deinen Enkeln erzählen – und sie wird nie besser. Da kann man sich nur aufrappeln, Haltung bewahren, ein kleiner Fluch ist auch okay, danach eine kleine, aber selbstbewusste Entschuldigung. Und weiter im Text.

 

Situation 2: Im Vorzimmer hatte man mir einen Kaffee angeboten und ich nahm die Tasse mit in das Büro des Personalchefs. Dabei geriet ein Spritzer auf mein weißes Hemd.

So rettest du die Situation: Ehrlich, das kennt doch jeder aus eigener Erfahrung. Ignorier dein Unbehagen und wenn der Spritzer wirklich sichtbar ist, sprich es beim Hand­shake mit dem Personalchef so beiläufig an, wie es geht: „Ach übrigens: Falls Sie sich über den Kaffeefleck wundern, das ist tatsächlich gerade erst vor Ort passiert. Ich habe mir heute Morgen natürlich ein frisches Hemd angezogen. Ich dachte, ich spreche es mal an.“ So viel erfrischende Ehrlichkeit ist ein Eisbrecher fürs Gespräch!

 

Situation 3: Beim Thema Hobbys habe ich mich dazu hinreißen lassen, über Tanzen und Tanzschulen zu lästern. Während ich so redete, entdeckte ich plötzlich ein Foto von der Personalchefin und ihrem Mann beim Tango an der Wand. Peinlich.

So rettest du die Situation: Nicht beirren lassen! Geh über deinen Lapsus einfach hinweg. Wenn du jetzt versuchst, dich zu rechtfertigen, macht es die ganze Sache noch schlimmer. Aber du solltest dich bei weiteren Gesprächen daran erinnern, dass du nicht gedanklich abschweifst.

 

Situation 4: Ich hatte ein Vorstellungsgespräch in einer Werbeagentur. In der Stellenanzeige für eine Ausbildung als Werbekauffrau wurde man geduzt, in der Bewerbung habe ich das frechweg auch gemacht. Im Vorstellungsgespräch siezte mich dann der Inhaber. Das hat mich voll aus dem Konzept gebracht, weil ich dachte, jetzt ist die Sache eh gelaufen.

So rettest du die Situation: Wenn du ihn nicht zuerst geduzt hast, dann ist ja nichts passiert. Locker bleiben und ab jetzt auch siezen. Wenn man dich in der Stellenanzeige duzt, muss das Unternehmen damit rechnen, dass man zurückduzt.

 

Situation 5: Ich wurde gefragt, ob ich lieber Achterbahn oder Kettenkarussell fahre, und sagte, wohl etwas patzig: „Ich hasse Kirmes generell.“ Danach war das Vorstellungsgespräch schnell zu Ende.

So rettest du die Situation: Solche Fragen, in denen deine Problemlösungskompetenz und deine Durchsetzungsfähigkeit getestet werden, werden eigentlich hauptsächlich bei erfahrenen Bewerbern eingesetzt. Es geht nicht um deine persönlichen Vorlieben, sondern darum, was du mit den Antwortmöglichkeiten assoziierst. Stellt man sie auch dir als Kandidaten für eine Ausbildungsstelle, solltest du sie ernst nehmen und dich nicht verweigern. Denn so kam deine Antwort rüber – leider. Bleib im Vorstellungsgespräch immer offen – du hast eine Menge zu bieten!

 

Situation 6: Mir war so übel, dass ich kein Wort mehr herausgebracht habe. Ich habe mich mehrfach geräuspert, aber ich war total blockiert. Absoluter Horror. Mein Gegenüber ließ dann ein Wasser kommen und überbrückte die Pause mit der Vorstellung der Firma. Dann ging es wieder – aber ich war danach nicht ich selbst.

So rettest du die Situation: Dein Gegenüber hat richtig gehandelt und dich nicht auflaufen lassen. Gerade bei Bewerbungen von Schulabgängern weiß eigentlich jeder gute (Personal-)Chef, dass das Vorstellungsgespräch eine Extremsituation ist, und wird dir helfen. Lass dich nicht verunsichern!

 

Situation 7: Ich wollte extra einen Zug früher zum Vorstellungsgespräch nehmen, aber der fiel aus. Und der nächste war natürlich nur ganz knapp pünktlich. Ich musste dann echt zum Vorstellungsgespräch hetzen und kam schweißgebadet und aus der Puste da an.

So rettest du die Situation: Wie beim Kaffeefleck auf dem Hemd gilt: ansprechen! Wenn du das so vorträgst, wird dir das niemand übelnehmen. Wichtig: nicht ausschweifend rechtfertigen, sondern kurz und knackig die Lage wiedergeben. Damit wirst du Punkte sammeln und nicht abgeben.

 

Situation 8: Ich war so aufgeregt, dass ich den Personalchef einmal mitten im Satz unterbrochen habe. Er guckte dann echt komisch. Ich habe so getan, als hätte ich es nicht gemerkt, und einfach weitergeredet.

So rettest du die Situation: Genau richtig. Bloß nicht aus dem Konzept bringen lassen. Unterbrechen ist aber wirklich keine Tugend – daran musst du arbeiten.

 

Situation 9: Klar, dass ich das Handy vor dem Gespräch auf lautlos gestellt habe. Doch ein Alarm vom Tag vorher machte sich trotzdem bemerkbar. Auf die eh schon genervte Frage des Abteilungsleiters: „Na, ein wichtiger Anruf?“ habe ich dann auch noch vor lauter Schreck geantwortet: „Nein, das ist mein Wecker!“ Um 16 Uhr – das hat nun wirklich den schlechtesten Eindruck gemacht.

So rettest du die Situation: Da hilft nur: Handy vorher genau checken. Beim Vorstellungsgespräch darf nichts klingeln, rappeln oder piepen.

 

 

DAS SAGEN PERSONALCHEFS


Auf ein Vorstellungsgespräch sollte man sich immer gut vorbereiten und sich z. B. überlegen, was das Unternehmen wohl von einem wissen will. Ganz wichtig ist es aber, keine Redebausteine auswendig zu lernen. Den Personalchef interessiert eine ehrliche und authentische Antwort! Oft wird man zum Schluss des Gesprächs dazu aufgefordert, noch eigene Fragen zu stellen. Wer sich jetzt erkundigt, wie lange die Ausbildung dauert, wird allerdings keine Pluspunkte sammeln. Das Unternehmen setzt voraus, dass man sich über solche Dinge im Vorfeld informiert hat. Man muss auch nicht unbedingt eine Verlegenheitsfrage aus dem Hut zaubern, sondern kann auch selbstbewusst antworten: „Nein, alles geklärt – und ich hatte mich vorher ja auch schon gut informiert.“ Das kommt gut an.

Michael Pilzecker, Prokurist und Leiter Personalentwicklung, Dortmunder Volksbank eG

 

Es kommt immer mal wieder vor, dass Bewerber um eine Ausbildungsstelle zu spät zum Vorstellungsgespräch kommen. Das ist schon ein ziemlich grober Patzer, denn so ein Verhalten zeugt von Unzuverlässigkeit. Es entsteht der Eindruck, der Termin wäre dem Bewerber nicht wichtig und er würde das Vorstellungsgespräch auf die leichte Schulter nehmen. Mit ein wenig Vorbereitung lässt sich das Zuspätkommen vermeiden: Damit man sich nicht verfährt, an der falschen S-Bahn-Haltestelle aussteigt oder die Entfernung falsch kalkuliert, sollte man sich vorher in einer Karten-App orientieren (bei Eingabe der Adresse unbedingt auch auf die richtige Postleitzahl achten!). Wenn das Unternehmen nicht allzu weit vom eigenen Zuhause entfernt liegt, empfiehlt es sich auch, die Strecke vorher schon einmal ab- und am Firmengebäude vorbeizufahren. Das gibt am Tag des Bewerbungsgesprächs Sicherheit: Man kennt bereits den Weg, weiß, wo der Parkplatz ist. Gute Voraussetzungen für ein optimales und entspanntes Bewerbungsgespräch!

Laurenz Scheer, Kommunikation und Marketing, MVZ Prof. Dr. Uhlenbrock & Partner