Raus aus dem Kinderzimmer

Du möchtest aus dem „Hotel Mama“ auschecken, weil deine Lehrstelle oder dein Studienort weit weg von zu Hause ist oder du einfach dein eigenes Ding machen willst? Darauf solltest du bei der ersten eigenen Wohnung achten, diese Kosten kommen auf dich zu.

DIE KALTMIETE

Logisch: Für eine Wohnung, ein Zimmer im Studentenwohnheim oder ein Zimmer in einer WG muss man Miete zahlen. Die zahlst du an den Vermieter für die Nutzung der Wohnung, d. h. dafür, dass du deine Möbel in seine Wohnung stellen darfst – nicht mehr und nicht weniger. Deshalb bezeichnet man diese Miete auch als Kaltmiete bzw. Nettokaltmiete. Die Miete wird pro Quadratmeter berechnet. Wie hoch die Miete ist, hängt z. B. von der Größe und Ausstattung der Wohnung ab. Neue Wohnungen sind teurer als Altbauwohnungen, Wohnungen mit Balkon kosten grundsätzlich mehr. Aber auch die Lage spielt eine Rolle bei der Höhe der Miete. Wenn du in einem angesagten Stadtteil oder nahe an der Uni wohnen möchtest, kostet das deutlich mehr (s. auch Infokasten auf S. XX). Die Miete wird übrigens monatlich fällig.

 

DIE NEBENKOSTEN, AUCH DIE „ZWEITE MIETE“ GENANNT

Dein Vermieter muss als Besitzer der Wohnung oder des ganzen Hauses Kosten bezahlen, die er auf die Mieter umlegen darf: Dazu gehören unter anderem Grundsteuern oder Müllgebühren, die er an die Stadt abführt, sowie eine Wohngebäudeversicherung. Diese Kosten werden abhängig von der Größe der Wohnung und der Anzahl der Personen in der Wohnung aufgeteilt. Manchmal sind in den Nebenkosten auch die Heizkosten enthalten – das geht aber oft nicht so ganz genau aus den Wohnungsanzeigen hervor. Deshalb: unbedingt nachfragen! Sind die Heizkosten nicht in den Nebenkosten enthalten, musst du das Geld dafür direkt an einen Energieversorger zahlen. Schon bei der Wohnungssuche solltest du die Heizkosten mit bedenken. Altbauwohnungen sind oft weniger gut gedämmt, da verpufft viel Energie – und es kann sein, dass du den Betrag, den du gegenüber einer neueren Wohnung bei der Kaltmiete sparst, für Heizkosten wieder drauflegen musst. Bei kleinen Wohnungen können die Nebenkosten unter dem Strich fast genauso hoch sein wie die Kaltmiete.

Übrigens: Strom für deine Wohnung ist nie in der Miete bzw. den Nebenkosten enthalten (außer vielleicht der Strom für den Hausflur). Du musst also einen Vertrag mit einem Stromversorger schließen und das Geld für den Strom direkt dorthin überweisen.

 

Gut zu wissen: Die Miete samt Neben- und Heizkosten sollte nicht mehr als ein Drittel deines Einkommens verbrauchen.

 

Extra-Info zur Wohnung:

  • Kaution Die meisten Vermieter verlangen eine Kaution bei Abschluss des Mietvertrags. Sie dient dem Vermieter als Sicherheit, falls er bei deinem Auszug feststellt, dass du die „Mietsache“ beschädigt hast. Sie ist ein hoher Kostenfaktor, da sie zwischen einer und drei Nettokaltmieten liegt. Die meisten Vermieter sind einverstanden, wenn die Kaution in drei Raten hinterlegt wird. Die erste Rate ist mit der ersten Mietzahlung fällig. Die Kaution muss der Vermieter auf ein gesondertes Konto einzahlen und bei Auszug bekommst du sie zurück, wenn du die Wohnung unbeschädigt übergeben kannst.
  • Vertrag Bist du noch minderjährig (unter 18 Jahren), muss ein Erziehungsberechtigter den Mietvertrag für dich unterschreiben. Als zusätzliche Sicherheit verlangen viele Vermieter auch von über 18-Jährigen einen Mietbürgen. Er steht gegenüber dem Vermieter für die Miete gerade, falls du einmal nicht zahlen kannst.
  • Versicherungen Überlege genau, welche du brauchst: Eine Hausratversicherung kommt für Schäden durch z. B. Einbruch, Feuer und Wasser an deiner Wohnungseinrichtung auf. Für deine erste Wohnung brauchst du solch eine Versicherung in der Regel nicht. Sie lohnt sich eher, wenn du viele neue und teurere Möbel in der Wohnung hast. Eine wichtige Versicherung hingegen ist eine Privathaftpflichtversicherung, die du unbedingt abschließen solltest: Manchmal erwarten Vermieter sogar einen Nachweis, dass du entsprechend versichert bist. Einfach ausgedrückt, springt diese Versicherung immer dann ein, wenn du versehentlich etwas kaputt gemacht hast, das dir nicht selbst gehört. Die Versicherung kostet ab 50 Euro pro Jahr – das ist also kein großer Kostenfaktor.

 

DAS KOMMT AUCH NOCH AUF DICH ZU

Mit der Miete und den Nebenkosten ist es aber noch nicht getan: Anders als im „Hotel Mama“ gibt es noch weitere Ausgaben, die auf dich zukommen – vor allem für dein „Entertainment“. Smartphone und Netflix zahlst du auch zu Hause schon selbst? Dann weißt du ja, wie viel du dafür auf die Ausgabenliste schreiben musst. Wenn du normales Fernsehen sehen willst, solltest du bei deinem Vermieter nachfragen, ob in den Nebenkosten schon die Kosten für Kabel- oder Satellitenanschluss enthalten sind. Außerdem musst du für Fernsehen, Radio und deinen Rechner GEZ-Gebühren zahlen, also einen Rundfunkbeitrag. Die Gebühren liegen zurzeit bei rund 18 Euro im Monat. Unter bestimmten Umständen kannst du dich befreien lassen.

 


Gut geplant!

Gerade in den ersten Monaten ist es ratsam, sich auch die kleinste Ausgabe zu notieren. Führe am besten ein Haushaltsbuch – es gibt super Apps fürs Handy! Wenn du zu Hause nicht im Haushalt mithelfen musstest, empfiehlt sich auch ein Haushaltsplan. Denn jetzt bist du selbst dafür verantwortlich, dass du noch frische T-Shirts im Schrank hast – und mit einer To-do-Liste behältst du den Überblick.


 

Auf Wohnungssuche

So behältst du die Kosten im Griff

 

  • Allein oder WG? Eine Wohngemeinschaft ist der softe Einstieg in ein elternfreies Wohnen. Wenn du nicht mit Freunden zusammenziehst, kann es auch spannend sein, in einer bestehenden WG neue Leute kennenzulernen. Preiswerter als eine Wohnung für dich alleine ist allemal eine Wohnung für zwei Personen oder ein Zimmer in einer bestehenden WG – nicht nur, was die Miete angeht, sondern auch die weiteren Kosten, Küchenausstattung etc.
  • Mittendrin oder nur dabei? Die Lage einer Wohnung ist ein wesentlicher Kostenfaktor. Das gilt aber nicht nur für die Wohnung selbst, sondern auch für die Fahrt von deiner Wohnung zum Ausbildungsbetrieb oder zur Uni und zurück. Wenn du ein Auto brauchst, weil die Wohnung zu weit entfernt liegt, geht das schon ziemlich ins Geld … Ein Azubi-Ticket ist die günstige Alternative. Aber gerade in handwerklichen Berufen muss man oft früh morgens anfangen. Früh morgens oder spät abends kann es schwierig sein, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit zu kommen.

Extra-Tipp: Unter Umständen kann dir Wohngeld zustehen. Ob und in welcher Höhe, darüber kannst du dich bei der Stadt informieren!

 


Das große Rechnen

 

An einem Kassensturz führt kein Weg vorbei, wenn du eine eigene Wohnung haben willst. Mit dieser Beispielrechnung hast du die wichtigsten Einnahmen und Ausgaben auf dem Schirm.

 

Du verdienst rund 750 Euro brutto, das macht netto (nach Abzug von Steuern, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung) rund 600 Euro. Außerdem geben dir deine Eltern das Kindergeld in Höhe von 192 Euro. Insgesamt hast du also fast 800 Euro zur Verfügung.

 

Kaltmiete für ca. 30–40 qm,

einfache Ausstattung: ca. 250,00 Euro

Nebenkosten ohne Heizkosten: ca. 50,00 Euro

Heizkosten: ca. 50,00 Euro

Strom: ca. 40,00 Euro

Handy: ca. 40,00 Euro

Fernsehen, z. B. Kabel: ca. 30,00 Euro

Rundfunkbeitrag: ca. 17,50 Euro

Lebensmittel, Drogerie: ca. 150,00 Euro

Azubi-Ticket Preisstufe B: ca. 71,00 Euro

 

Damit würden dir noch schlanke 100 Euro für Kleidung, Hobbys und Ausgehen im Monat bleiben …

 

Das bessert dein Einkommen auf: Auszubildende, die nicht mehr bei den Eltern wohnen, können BAB (Berufsausbildungsbeihilfe) beantragen. Wer eine schulische Ausbildung macht oder studiert, kann BAföG (Bundesausbildungsförderungsgesetz) beantragen. Ob du tatsächlich Unterstützung bekommen kannst und wie viel, hängt unter anderem davon ab, wie viel du verdienst und wie die finanzielle Situation deiner Eltern ist.

 

 

 

Fotos: Shutterstock