Schluss mit Prüfungsangst

Die Schule ist vorbei, doch Prüfungen gibt es auch an der Uni oder im Arbeitsleben. So schaffst du es, deine Prüfungsangst zu bekämpfen.

Um es gleich vorwegzunehmen: Hier geht es nicht um die, die mit den Knien schlottern, weil sie nicht gelernt haben, sondern um die, denen der Angstschweiß trotz guter Vorbereitung auf der Stirn steht. Tatsächlich ist Stress an sich – und Schwitzen kann ein Symptom sein – erst einmal nichts Negatives: Die Ausschüttung der Hormone Adrenalin und Cortisol versetzt den Körper in Alarmbereitschaft, bewahrt uns davor, zu leichtsinnig zu werden, und rettet damit mitunter sogar unser Leben. Aber Stress kann uns das Leben auch schwer machen: Zu viel innere Anspannung blockiert uns, wir haben Angst zu versagen. Wir kämpfen dann nicht, sondern fliehen – es kommt zum berühmt-berüchtigten „Brett vorm Kopf“ bzw. zum Blackout. Der Kopf ist vorübergehend völlig leer.

Schauspieler kennen das Phänomen „Prüfungsangst“ als Lampenfieber. Dabei handelt es sich jedoch nur um eine leichte Nervosität, die dazu führt, dass man sich besser konzentriert und zu Höchstleistungen angetrieben wird. Aber auch Künstler kennen die Auftrittsangst – und die ist vergleichbar mit der Prüfungsangst. Beide führen nämlich dazu, dass man eher schlechtere Leistungen abliefert – obwohl man die Performance, oder eben den Stoff, eigentlich draufhat.

Unter Prüfungsangst zu leiden, ist zum Glück kein Schicksal – so kannst du etwas dagegen tun:

 

Schluss mit Horrorszenarien

Woher kommt die Hochspannung? Wer unter Prüfungsangst leidet, malt sich meist jede Menge Horrorszenarien aus, z. B.:

„Der Prüfer ist bekannt dafür, fiese Fragen zu stellen!“

Woher weißt du das? Wahrscheinlich von jemandem, der durchgefallen ist. Klar, dass derjenige die Fragen, die er nicht beantworten konnte, als „fiese Fragen“ bezeichnet.

 „Ich habe gehört, dass die Durchfallquote bei 30 Prozent liegt!“

Durchfallquoten kursieren tatsächlich in vielen Bereichen. Der Wahrheitsgehalt? Fraglich! Vielleicht haben ein paar findige Ausbilder oder Dozenten da ein Märchen in die Welt gesetzt, um die Prüflinge ein wenig anzutreiben. In jedem Fall gilt: Warum solltest du zu den 30 Prozent gehören?

„Der Stoff ist so umfangreich, da habe ich doch keine Chance!“

Umfangreich, das ist sicher richtig. Deshalb gibt es das Prinzip „Mut zur Lücke“. Selbst wenn du dich optimal vorbereitet hast, kann es dich eiskalt erwischen. Es ist gut, sich das bewusst zu machen. Und auch jeder Prüfer weiß: Niemand kann alles wissen!
Extra-Tipp: Wenn dir der Prüfer eine Frage stellt, auf die du eigentlich keine Antwort weißt, dann beeindrucke ihn mit dem, was du gelernt hast. Du kannst auch ehrlich sagen: „Da stehe ich gerade auf dem Schlauch – aber ich denke sofort an das Thema X und Y“ und dann machst du da einfach weiter.

>> Daher gilt ab jetzt: Schluss mit Horrorszenarien – und positiv denken.

 

Die Macht der positiven Gedanken

Wer von sich selbst glaubt, dass er eine Prüfung nicht schaffen kann, wird diesen Gedanken verinnerlichen – und dann tatsächlich schlechter sein. Deshalb sollte man sich vor einer Prüfung mit positiven Gedanken vollpumpen – ohne sich unter Druck zu setzen. Das nennt sich „mentales Training“.

So setzt du negativen Gedanken positive entgegen:

  • Statt „Durch dieses Fach kann ich nur durchfallen, das liegt mir einfach nicht“ sagst du dir: „Ich bin auf die Prüfung gut vorbereitet und lasse mich jetzt einfach mal überraschen.“ Und: „Fehler sind in Ordnung. Man kann nicht alles wissen.“
  • Statt „Ich bin echt zu blöd für dieses Fach. Allen anderen fliegt das einfach zu“ sagst du dir: „Wenn ich ein bisschen mehr Zeit investiere, kann ich mit den anderen locker mithalten.“
  • Statt „Wenn ich durchfalle, wäre das eine Katastrophe“ sagst du dir: „Wenn es nicht reicht, wäre es schon ziemlich ärgerlich. Aber ich kann es ja noch mal versuchen.“ Und: „Wenn ich eine Prüfung nicht bestehe, macht mich das nicht zum Versager.“

>> Du siehst: Es geht nicht darum, auf einer rosaroten Wolke zu schweben. Eine nicht bestandene Prüfung wird an einem nagen – das ist klar. Aber wenn man Konsequenzen realistisch bewertet, dann mindert das den Druck.

Keine Frage: Die Anspannung wird bleiben – aber die (negative) Prüfungsangst kann sich so in (positives) Lampenfieber verwandeln!

 


Tipp

Die psychologische Studienberatung der TU Dortmund ist dem Phänomen Prüfungsangst auf den Grund gegangen – nachzulesen im Netz. Hier geht´s zur Information: „Keine Angst vor der Prüfungsangst“ mit jeder Menge Lerntipps nicht nur für Studierende. Im Semester gibt es in der Reihe „Lässig statt stressig“ auch immer wieder interessante Vorträge – ob konkret zur Prüfungsangst oder auch dazu, wie man mit Kritik umgeht oder richtige Entscheidungen trifft. Einfach direkt auf den Seiten der Uni nachschauen oder „Lässig statt stressig“ googeln.


Gut vorbereitet ist halb bestanden

Prüfungsangst durch gezieltes Lernen ausschalten. Sieht so deine Prüfungsvorbereitung aus: Auf deinem Schreibtisch liegen zehn Bücher – und die willst du auf jeden Fall durcharbeiten, und wenn es die ganze Nacht dauert! So viel Lernstress wird sich nicht auszahlen, denn Forscher wissen, dass zu viel Lernen nicht effizient ist. Denn irgendwann macht das Gedächtnis dicht, unser Lernspeicher wird überfrachtet. Deshalb sollte man den Lernstoff in kleine Portionen aufteilen und dem Gehirn die Chance geben, diese zu verarbeiten.

Entsagt man während der Lernphasen zudem allen gesellschaftlichen Aktivitäten – zum Beispiel Freunde treffen, Sport, Kino –, dann wirkt auch das kontraproduktiv. Denn man kann seinen Akku so nicht mehr aufladen, powert sich aus, hat am Ende gar keine Energie mehr. Achtsamkeit ist also das Gebot der Stunde!

Prüfungsangst mit harten Fakten ausknocken.

Mach dir eine Woche vor der Prüfung bewusst, wie gut du dich vorbereitet hast. Wenn du es vor lauter Panik vorher noch nicht getan hast, ist jetzt der Zeitpunkt, eine Checkliste anzulegen: Notiere darauf die einzelnen Wissensbereiche, die abgefragt werden. Hast du einen Bereich vergessen? Dann kannst du jetzt noch nachlegen. Rechne dann nach, wie viel Zeit du in die Vorbereitung der Bereiche investiert hast. Hast du dir deine alten Aufzeichnungen noch mal angeschaut, hast du mit jemandem zusammen gelernt, hast du dich von jemandem abfragen lassen, in welche Bücher hast du noch mal geschaut? Für alles gibt es auf deiner Checkliste Pluspunkte. Wie ist dein Eindruck, wenn du diese Liste abschließend noch einmal anschaust: Hast du dich gut genug auf deine Prüfung vorbereitet?

>> Wahrscheinlich wirst du feststellen, dass du dein Bestes gegeben hast – und das wird ganz sicher reichen! Allein die Visualisierung deiner Vorbereitung wird dir am Tag der Prüfung und in der Prüfungssituation ein gutes Gefühl geben.

 

DAS SAGEN PERSONALCHEFS


Gerade im Gesundheits- und Sozialwesen gibt es viele Berufe mit einer sogenannten schulischen Ausbildung. Das heißt: Man drückt wieder die Schulbank – Stundenpläne, Hausaufgaben und Klausuren inklusive. Viele Auszubildende entscheiden sich gerade wegen der bekannten und vertrauten Lernabläufe für eine schulische Ausbildung. Prüfungsangst ist da kein Thema mehr. Denn: Es ist viel leichter und macht viel mehr Spaß, Dinge zu lernen und zu behalten, die man in der Praxis – und im Rahmen der schulischen Ausbildung macht man ja auch Praktika – wirklich anwenden kann.

Hannah Beruda, Geschäftsführerin PTA-Fachschule Westfalen-Lippe e. V.

 

 

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