Tattoos im Job – Hals und Hände erst am Ende

Tätowierungen sind ein Riesentrend – aber nicht bei allen Unternehmen gern gesehen. Was Tätowierer Pascal Kurz von Lucky Tattoo aus Dorsten rät

Pascal Kurz ist gelernter Sport- und Fitnesskaufmann, absolvierte nach der Ausbildung sogar noch ein Fernstudium, leitete viele Jahre ein Fitnessstudio, hatte einen sicheren Job und jede Menge Freiheiten – doch Zeichnen war für ihn schon immer eine große Leidenschaft. Über Freunde, die in der Branche tätig waren, kam er schließlich zum Tätowieren und konnte sein Hobby zum Beruf machen: Vor rund vier Jahren eröffnete er sein Tattoostudio „Lucky Tattoo“ in Dorsten. „Den Schritt habe ich mir reiflich überlegt“, sagt der heute 34-Jährige. „Aber meine Ausbildung hat mir da sehr geholfen. Als Kaufmann hat man eine gute Grundlage für die Selbstständigkeit.“ Der Erfolg stellte sich schnell ein: Mittlerweile muss man auf einen Termin für ein Tattoo von Pascal rund ein halbes Jahr warten.

 

Pascals Spezialität sind kundenindividuelle Bilder: „Die Wünsche meiner Kunden sind mir total wichtig. Schließlich soll man sein ganzes Leben Freude an dem Tattoo haben. Massenabfertigung gibt es bei mir nicht.“ Dabei geht es ihm nicht nur um das Motiv, sondern auch darum, an welcher Körperstelle es getragen werden soll: „Noch vor ein paar Jahren waren wir Tätowierer die einzigen, die Tattoos auf den Händen hatten. Heute ist das ein Riesentrend – und viele Kunden fragen danach.“ Pascal stellt dann – vor allem bei jüngeren Kunden – jedoch sofort eine Rückfrage, nämlich: „In welchem Job arbeitest du?“ Denn dem 34-Jährigen ist sehr wohl bewusst, dass Tattoos zwar Trend sind, aber in bestimmten Berufen nicht gerne gesehen werden: „Was auf dem Bau wahrscheinlich keinen interessiert, ist in der Bank immer noch tabu.“ Rücksicht auf die Menschen zu nehmen, die mit Tattoos nichts anfangen können, findet Pascal grundsätzlich in Ordnung. Denn: Vor allem ältere Menschen stehen Tattoos vielfach noch mit Skepsis gegenüber – und eine Bank oder ein Autohaus sind nun mal für alle Kunden da.

 

Generell gilt: Wer viel Kundenkontakt hat, sollte seine Tattoos immer in einem nicht-sichtbaren Bereich des Körpers tragen. Wenn Jungs im Sommer im Laden oder im Büro auch mal ein kurzärmeliges Hemd oder T-Shirt tragen wollen, dann muss das Tattoo eben vor der Ärmelkante enden. Das gilt natürlich auch bei den Mädels – wobei die zudem noch darauf achten sollten, dass man ihr Tattoo auch dann nicht sieht, wenn sie einen knielangen Rock ohne Strümpfe tragen wollen. Pascal Kurz, der sich im Bundesverband Tattoo auch für eine geregelte Ausbildung von Tätowierern einsetzt, tätowiert allerdings ohnehin nur in absoluten Ausnahmefällen Jugendliche unter 18 Jahren und hat dann auch gerne die Eltern im Studio dabei: „Ein Tattoo kann einem helfen, schwierige Erlebnisse zu verarbeiten. So war es auch bei mir. Deshalb treffe ich die Entscheidung, wenn ich in welchem Alter tätowiere, immer auch anhand der Gespräche mit dem- oder derjenigen. Es kommt darauf an, dass man sich der Tragweite der Entscheidung bewusst ist!“

 

 

 

Fotos: privat (3), Shutterstock (1)